Während der ersten vier Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts war das Territorium der reformierten Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ein Zufluchtsort für radikal gesinnte Religionsemigranten mit unterscheidlichen sozialen, beruflichen und konfessionellen Hintergründen. Der tolerante Graf Casimir gewährte ihnen nicht nur Religionsfreiheit und Steuervergünstigungen, sondern ermöglichte ihnen auch den zensurfreien Druck ihrer Schriften. Allerdigns ergaben sich zwischen den religiösen Individualisten vor Ort zwangsläufig Auseinandersetzungen; auch versuchten einige von ihnen, den Landesherren in ihrem Sinne zu beeinflussen. Auf der Basis zahlreicher bisher unveröffentlichter Dokumente und Selbstzeugnisse spürt der Band "Radikaler Pietismus, Alechemie und Freidenkerei 1729 - 1741. Berlebrug zur Zeit von Dippel und Edelmann" den diversen religiösen Positionen, den interlektuellen und gewerblichen Aktivitäten sowie dem sozialen Miteinander und den Konflikten zwischen den Spiritualisten im Umkeris des Berlebruger Hofes nach. Die beiden Herausgeber Vera Faßhauer und Martin Mulsow stellen den neu erschienenen umfangreichen Band vor.
Eine Kooperation des Wittgensteiner Heimatvereins und des Dritten Ortes - Bücherei der Zukunft.